Schon seit längerem plant RTL II, einen Social Day einzuführen. Während der Arbeitszeit sollen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich sozial zu engagieren. Nach ersten Kontaktaufnahmen mit karitativen Einrichtungen gab dann die aktuelle Flüchtlingskrise das Thema vor. Denn die Bilder der heimatlosen Menschen haben uns alle aufgewühlt. Besonders wir Münchner erlebten den September ganz besonders. Täglich kamen Tausende Flüchtlinge am Hauptbahnhof an, die Stadt wurde von einer unbeschreiblichen Welle der Hilfsbereitschaft erfasst.

Auch bei RTL II wollten viele spontan helfen. „Können wir nicht Kleidung und Hilfsgüter sammeln und zum Bahnhof bringen?“, das wurde ich von vielen Kollegen gefragt. Doch noch bevor die ersten Container auf dem Firmengelände standen, wurde ein allgemeiner Spendenstopp verhängt – die Münchner hatten innerhalb nur weniger Tage so viel gespendet, dass alle Lagerkapazitäten erschöpft waren.

Kollegen mit Kleiderspenden

Kollegen mit Kleiderspenden

Also entschlossen wir uns vor Ort anzupacken. In einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge konnten 20 RTL II-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen Tag mit anpacken. Dort haben Flüchtlinge einmalig während ihres Aufenthaltes in der Einrichtung die Möglichkeit, sich mit Kleidung, Schuhen, Accessoires und Hygieneartikeln eindecken.

Wir begannen mit einer kurzen morgendlichen Einweisung. Die Mitarbeiter gaben uns einen leidenschaftlichen Einblick in ihre tägliche Arbeit – der Umgang mit Menschen verschiedenster Nationen ist immer interessant, anrührend und überraschend. Dann ging es los: 160 Flüchtlinge wollten durch die Halle gelotst werden. Wir konnten in den jeweiligen Bereichen für Frauen-, Männer- und Kinderkleidung, bei den Hygieneartikeln oder im sogenannten Check out helfen. Die Verständigung lief meist auf Englisch, manchmal auch mit Händen und Füßen. Hoch im Kurs stand Reisegepäck, in dem jeder Flüchtling die Utensilien, die er sich mit unserer Hilfe ausgesucht hatte, verstaute. Für Familien die großen Roll-Koffer, für Einzelpersonen die kleinen Behältnisse. Denn für jeden von ihnen geht die Reise noch weiter.

Nach sechs Stunden Helfen kehren wir ins Büro zurück – müde, aber voller Eindrücke. Die wollen verarbeitet werden. Auch wenn man sich durch die Medien bestens informiert glaubt: Selbst vor Ort dabei zu sein und jenseits aller politischen Diskussionen die Menschen in Not unmittelbar zu erleben, ist etwas ganz anderes. Hut ab vor allen, die als ehrenamtliche Helfer oder auch hauptberuflich täglich solche Dienste leisten.

Die Resonanz im Haus war so groß, dass wir noch in diesem Jahr ein weiteres Mal mithelfen werden.