Wir haben ihn! Am Freitag wurde uns der Deutsche Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Information“ für „Endlich Klartext“ überreicht. Unser Chefredakteur Matthias Walter hat ihn entgegengenommen und liefert hier seinen ganz persönlichen Erfahrungsbericht:

Es ist 20.55 Uhr, als sie die Arme hochreißen: Andreas Bartl, Tom Zwiessler, Abdelkarim und sein Manager Peter, meine Produzentin Carina. Es wird geschrien, gesprungen, geklatscht bei uns am Tisch im Kölner Palladium. Ich selbst lasse meinen Kopf auf die Hände sacken, muss kurz verarbeiten, was Barbara Schöneberger und unser Vorredner, der Produzent von Terra X, da gerade gesagt haben:

 „Der Deutsche Fernsehpreis für die Beste Informationsleistung geht an ‚Endlich Klartext‘, an RTL II.“

 Viele Preisträger sagen hinterher ja immer, sie hätten nicht damit gerechnet. Bei mir ist es wirklich so. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Jury sich traut, RTL II gerade in dieser Kategorie auszuzeichnen. Und damit eine 18 Jahre andauernde Durststrecke zu beenden. Trotz vieler toller, innovativer, manchmal auch bahnbrechender Formate (man denke nur an Big Brother, Popstars, Berlin – Tag & Nacht) – einen Deutschen Fernsehpreis hat unser Sender nie erhalten. Und jetzt das.

 Wir gehen auf die kleine Bühne, die mitten im Publikum und direkt neben unserem Tisch steht und auf der die Factual-Kategorien vergeben werden. Ich höre nur halb, wie Barbara Schöneberger uns gratuliert, die Preise übergibt und sagt: „RTL II bekommt einen Fernsehpreis und alle sind angezogen.“ Wir lachen kurz, Abdelkarim bedankt sich. Er bedankt sich, macht keine Witze. Auch er ist offenbar vollkommen überwältigt, anders ist das bei ihm nicht zu erklären.

 Ich muss an das denken, was Andreas uns am Nachmittag im Hotel gesagt hat: „Als ich heute Morgen aufgestanden bin, hatte ich ein gutes Gefühl. Ich denke, wir gewinnen das.“ Wir haben den Kopf geschüttelt, dagegen argumentiert. Es ist wieder einer dieser Momente, in denen ich verstehe, warum man auf das Bauchgefühl von Geschäftsführern bedingungslos vertrauen sollte.

 Eins ist mir wichtig zu sagen an diesem Abend und das mache ich dann auch: Ich bin so dankbar für die Möglichkeiten, Nachrichten und Info-Formate bei RTL II machen zu können. Wir sind der letzte Sender der 2. Generation mit einer eigenen, unabhängigen News-Redaktion. Ich bin unserer Chefetage unendlich dankbar, dass sie das erhalten hat. Und ich hoffe, dass dieser Preis manchen ins Grübeln bringt, der zuletzt eher solche Redaktionen zusammengestrichen hat. Gerade in Zeiten von Fake News und Populismus brauchen wir eigenen Journalismus auch im Privatfernsehen.

 Dann läuft alles einfach weiter: runter von der Bühne, Photocall, kurzes Interview, zurück an den Tisch, das Handy vibriert sich zu Tode vor SMS und WhatsApp. Und die weiteren Kategorien ziehen an uns vorbei. Die Party nach der Show macht zugegeben erheblich mehr Spaß mit dem Preis in der Hand. Dazu Fotos mit meinen Satire-Helden von Extra 3, die Aura von Thomas Gottschalk genießen, mit Dunja Hayali im Raucherzelt stehen, mit Terra X verbrüdern und dann irgendwann sitzen wir mit Mousse T in der Hotelbar (wo ist der eigentlich hergekommen?) und dämmern in den Morgen. Und ich fürchte, ich muss jetzt auch durchziehen, was ich vorher angekündigt habe: wenn wir gewinnen, nehme ich das Ding mit ins Bett.

 Was bleibt also von diesem Abend? Wir haben den Fluch gebrochen und den Fernsehpreis gewonnen. Wir haben für Furore gesorgt in der Branche, weil er ausgerechnet für „Beste Information“ ist. Und ich weiß jetzt: Dieser Preis ist überraschend scharfkantig, wenn man sich draufrollt.

Mehr Infos zu der Preisverleihung und zu dem ausgezeichneten Format „Endlich Klartext“ gibt es hier.