BTS_Gottlos1 „GOTTLOS – warum Menschen töten“ heißt eines unserer neuen Projekte und ist die Adaption eines sehr erfolgreichen Formates aus den Niederlanden, das wir gemeinsam mit Marc Conrad (u.a. „Das Experiment“) und der Bavaria Fernsehproduktion für den deutschen Markt produzieren, Ausstrahlung 2016.

Besonders ist GOTTLOS in dreierlei Hinsicht:

Zum ersten, weil RTL II seit langem mal wieder Fiction produziert. Ganz klassisch. Mit Drehbuchautor, Regisseur und Schauspielern (liebe Kritiker, seid gewiss: Einige sind bestimmt tätowiert …)

Zum zweiten, weil „Crime“ anders als gewohnt erzählt wird. Statt „Verbrechen und Aufklärung“ zeigen die Filme den Weg der Menschen auf ein Verbrechen zu – die Entstehung, die Entwicklung und schließlich auch die Eskalation eines Konflikts, bei dem lange nicht klar ist, wer Täter und wer Opfer ist. Das macht die Motive der Verbrecher teilweise sogar nachvollziehbar. Durchaus diskutabler Stoff. We know. Und harte Kost für den Zuschauer.

Besonders ist das Projekt aber auch in dritter Hinsicht: Weil die Umsetzung eine ganz eigene und für Deutschland gänzlich untypische ist. RTL II überlässt Autor und Regisseur die komplette künstlerische Freiheit. Das heißt, salopp gesprochen: „Wir sind von Deinem Projekt überzeugt, hier ist dein Budget. Mach!“ Keine Fiction-Redaktion, die dem Autor in den Büchern herumkritzelt, keine auf Zielgruppe gebügelten Dialoge. Kennt man sonst eigentlich nur von HBO und Netflix.

BTS_Gottlos2Ausgestattet mit dem künstlerischen Freifahrtschein hatte Marc Conrad jedenfalls keine Mühe, den ersten Hochkaräter für sein Projekt an Land zu ziehen: Thomas Stiller. Der Grimme-Preisträger (2007 für das Drehbuch zu „Unter dem Eis“) führt bisweilen auch mal für den „Tatort“ Regie und freut sich über so viel lange Leine in der deutschen TV-Landschaft. Einmal losgeschickt zog Thomas die nächsten Könner an Land.

Anfang Juni durfte ich bei den Dreharbeiten Mäuschen spielen und Regisseur & Cast einen Tag lang bei der Arbeit erleben. Folge eins, „Der Polizist“, mit Jule Ronstedt und Matthias Koeberlin vor der Linse. Zwei großartige Schauspieler, die sich auch im dritten und vierten Take als entzweites Ehepaar immer noch mit derselben Überzeugungskraft streiten, schlagen oder hochexplosiv anschweigen. Ich hätte an jenem Tag Jule Ronstedt sicherlich keinen Heiratsantrag gemacht.

Ob „live“ neben dem Kameramann oder im Nebenzimmer mit Blick über die Schulter des Regisseurs: Es war beeindruckend zu sehen, dass da absolute Profis am Werk sind. Lediglich zwei versäumte Dinge trüben die Erinnerung an den Tag: Zum einen habe ich schlicht vergessen, Matthias einen schönen Gruß von meinem Kollegen zu sagen, der im gleichen Pfälzer Dorf zur Schule ging. Zum anderen hab ich kein Selfie mit den Profis gemacht. Weder mit Jule und Matthias noch mit Thomas. In der Hinsicht bin ich anscheinend kein Profi.