Bewegender Abend mit einer Holocaust-Überlebenden: RTL II News-Moderator Christoph Hoffmann war gestern Gast beim 3. PALAST-Talk im Berliner Friedrichstadt-Palast. Die Podiumsdiskussion zum Thema „Haltung und Unterhaltung“ behandelte Ausgrenzung und Hass im realen Leben und im Netz. Hier Christophs Bericht…

„Wo bekomme ich denn dieses Snapchat her, das Sie bei den RTL II-News benutzen?“, fragt mich… Lea Rosh, 80. Streitbare Publizistin, Autorin, eine der ersten Frauen in Deutschland, die ein Landesfunkhaus geleitet haben (NDR) und: Mitbegründerin des Holocaust-Mahnmals in Berlin.

Diese Situation ist bezeichnend für den ganzen Abend, für eine ganz besondere, ungewöhnliche Runde, die am 1. Februar im Berliner Friedrichstadt-Palast aufeinander traf.

Zweimal im Jahr findet dort der „Palast-Talk“ statt. Gesellschaftspolitische Themen, was uns alle gerade bewegt. Diesmal geht es um „Haltung und Unterhaltung“, also: Wie kann man in den Medien, der Unterhaltung, Haltung zeigen, gegen Ausgrenzung vorgehen?

Christoph Hoffmann und Margot Friedlander

Christoph Hoffmann und Margot Friedlander

Ein Gast kann diese brutale Ausgrenzung besonders eindringlich beschreiben. Was passiert, wenn Menschen andere ausgrenzen, aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens oder der sexuellen Orientierung. Margot Friedlander hat den Holocaust überlebt. Als ihre Mutter und ihr Bruder in ein Konzentrationslager gebracht wurden, 1943, war sie plötzlich allein in ihrer Heimatstadt Berlin. Versteckte sich. Bekam Unterschlupf bei Deutschen und wurde am Ende von jüdischen Mitbürgern, Spitzeln, verraten und ins Ghetto Theresienstadt gebracht.

Sie überlebte und zog in die USA. 2010 kam sie nach Deutschland, zurück in ihre Heimatstadt Berlin. In das Land, das sie damals umbringen wollte. Was für eine Entscheidung. Was für ein Mut. Seitdem hat sie eine Mission, wie sie sagt: Kindern zu erzählen, was damals passiert ist. „Es gibt nicht mehr viele von uns.“ Sie ist jetzt 95, hat noch immer viele Termine in Schulklassen, mahnt, warnt, berichtet von den Taten der Nazis.

Ihre Erzählungen sind erschütternd – und die Verbindung in die heutige Zeit wird greifbar, als sie sagt: „Wieso werden heute wieder Menschen ausgegrenzt? Wir haben doch alle dasselbe Blut.“

Es könnte so einfach sein, und ist doch so kompliziert geworden.

Wir sprechen über die RTL II News, über die Verantwortung gegenüber unseren jungen Zuschauern: Einzuordnen, Dinge verständlich zu machen, genau zu prüfen. Wie gehen wir mit Hasskommentaren um, wieso gibt es diesen Hass überhaupt?!

Berndt Schmidt und Lea Rosh

Berndt Schmidt und Lea Rosh

Lea Rosh und der Berliner Ex-Kulturstaatssekretär André Schmitz sind sehr interessiert, wie genau sich die RTL II News von anderen Sendungen absetzen. Wie wir Beiträge produzieren, für ein Publikum, das doch eigentlich keine Nachrichten mehr schaut, so dachten sie bisher.

Doch, schauen sie. Wenn man es ihnen verständlich und spannend serviert und sie sich ernst genommen fühlen. Und wenn man das Publikum auch online abholt, sie bei Facebook, Instagram und Snapchat ernst nimmt, dort in Nachrichten Haltung bezieht, die Netiquette vertritt und gegebenenfalls auch mit Konsequenz und Härte durchsetzt, wenn eine Diskussion unter einem Beitrag mal entgleist.

Ein spannender, bewegender Abend mit einer klaren Botschaft: Haltung zeigen ist wichtig. Für unsere Zuschauer. Und für uns selbst.

(Fotos: Dennis Weinbörner)