Sie hat für reichlich Wirbel gesorgt, unsere Dokumentation „Hartz und herzlich – Die Eisenbahnsiedlung von Duisburg“. Von vielen Seiten und über die unterschiedlichsten Wege haben uns jede Menge positive Zuschriften erreicht. Sei es von Menschen, die Teil unserer Dokumentation waren, oder von interessierten Zuschauern, die uns ihr Lob ausgesprochen haben. Besonders gefreut haben uns die zahlreichen Zuschriften von Zuschauern, die den Menschen, die sie in „Hartz und herzlich“ kennengelernt haben, Hilfe anbieten wollten.

Es gab jedoch auch einige negative Stimmen. So erreichte uns ein offener Brief der Interessengemeinschaft Hohenbudberg Eisenbahnsiedlung e.V. Darin wird uns vorgeworfen, die Siedlung in gezielt verzerrender Weise „als Schmelztiegel von Verbrechern, Süchtigen und sonstigen asozialen Elementen“ dargestellt zu haben. Nicht zuletzt, weil unter den Vereinsmitgliedern viele Menschen sind, die unserem Produktionsteam ihre Türen geöffnet haben, wollen wir gerne darauf antworten und zu den geäußerten Vorwürfen Stellung beziehen.

Die Idee zu „Hartz und herzlich“ entstand im Frühjahr 2014. In der Dokumentation gestatten Menschen einen Einblick in ihr Leben, Menschen die in Deutschland nah an der Armutsgrenze leben. Dabei war es uns wichtig, eine Umgebung abzubilden, die keine gängigen Klischees erfüllt, sondern einen Ort zu finden, der ebenso den Wandel von Tradition zur wachsenden Armut abbildet. Es war unser aller Bestreben – seitens RTL II und UFA Show & Factual, die das Format produziert hat, dass wir das Leben unserer Protagonisten komplett ergebnisoffen begleiten.

Seit Juli 2014 haben unsere Dokumentations-Teams immer wieder den Alltag in der Eisenbahnsiedlung begleitet. Um einen möglichst umfassenden Blick in die Eisenbahnsiedlung zu bekommen, haben wir mit sehr vielen Menschen gedreht, sowohl mit den in Armut lebenden Menschen als auch mit den langjährigen Siedlern. Von September 2015 bis Januar 2016 waren wir nahezu täglich vor Ort. Wir haben also eine etwa einjährige Vorbereitungszeit und vier Monate Dreh in insgesamt sechs Stunden Erzählung kondensiert – eine Aufgabe, die wir nicht auf die leichte Schulter genommen haben. Dabei können natürlich Unwuchten entstehen – diese sind jedoch keinesfalls beabsichtigt. Wir haben aufgrund der relevanten Handlung für die jeweiligen Erzählstränge entschieden, nicht im Hinblick darauf, ob die jeweils portraitierten Menschen Hartz IV-Empfänger sind oder nicht.

Die Eisenbahnsiedlung von Duisburg ist eine Arbeitersiedlung mit einer über 100-jährigen Tradition am Stadtrand der Ruhrgebietsmetropole.

Dem offenen Brief der Interessengemeinschaft widersprechen wir entschieden. Eine bestimmte Zielgruppe stand bei „Hartz und herzlich“ nie im Vordergrund, vielmehr hat uns das Thema interessiert und die Art, wie wir uns ihm erzählerisch annähern. Es freut uns, dass wir damit viele Menschen überzeugen konnten – gerade auch Menschen, die nicht zu unserem Stammpublikum zählen. Den Vorwurf „Unwahrheiten“ zu verbreiten, können wir nicht nachvollziehen – nicht zuletzt, da der Vorsitzende der Interessengemeinschaft selbst schreibt: „Diese Menschen kannten wir bis dato nicht persönlich“. Wir haben die Menschen vor Ort kennen- und schätzen gelernt und zeigen sie in unserer Dokumentation ohne ein Urteil zu fällen, authentisch, mit all ihren Freuden und Nöten.

Grundsätzlich haben wir uns bemüht, konsequent auf Augenhöhe unserer Protagonisten zu erzählen und sie mit ihren Sorgen und Zielen zu verstehen – und da kann auch die Suche nach einem verloren gegangenen Meerschweinchen Thema sein. Wir haben die Geschichten der Menschen aus der Duisburger Eisenbahnsiedlung nicht stellvertretend für irgendein übergeordnetes Thema erzählt, sondern einfach und unaufgeregt abgebildet. Kein intellektueller Überbau und auch keine journalistische Betroffenheit. Wir wollten die Realität abbilden – echt, pur und fernab jeglicher Zuspitzung.

Wir wollten mit unserer langfristig angelegten Dokumentation den Kontrast von Tradition zur wachsenden Armut abbilden. Und so liegt der Fokus von „Hartz und herzlich“ auf einzelnen Charakteren, die uns einen unverfälschten Blick in ihren Lebensalltag erlauben. All den Bewohnern der Duisburger Eisenbahnsiedlung, die uns den Blick in ihren Alltag gewährt haben, gilt deshalb unser Dank!

Außerdem bedanken wir uns bei den 3,38 Millionen Zuschauern, die „Hartz und herzlich“ an einem der beiden Samstagabende eingeschaltet und sich mit ebenso positiven wie hilfsbereiten Zuschriften an uns gewendet haben:

„Gratuliere zu der interessanten Sendung! Wie kann man Olaf helfen?“ Ralf. O. aus Düsseldorf

„Das Schicksal des niereninsuffizienten und herzinsuffizienten Olaf hat mich berührt und ich möchte ihm eine Info zukommen lassen.“ Joachim K. aus Hamburg

„Ich fand beide Teile der Doku ‚Hartz und herzlich‘ einfach toll und würde mich sehr freuen zukünftig noch weitere Dokus über die Menschen und die Siedlung zu sehen.“ Bianca R. aus Köln