Sigrid Eck, PR-Beraterin und -Dozentin

Sigrid Eck, PR-Beraterin und -Dozentin

Sigrid Eck kennt die Medienbranche seit 20 Jahren: Als Journalistin (u.a. zehn Jahre stellvertretende Ressortleiterin Medien bei W&V), als Pressesprecherin (Discovery Networks, NBC Universal) und Moderatorin von Branchen-Veranstaltungen. Zudem ist sie Dozentin an der Hochschule Fresenius für Applied Communications. Derzeit arbeitet sie als PR-Beraterin für nationale und internationale Medienunternehmen. Die 47-Jährige hat Germanistik und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien studiert.

Für den Corporate Blog analysiert sie in zwei Teilen die gewandelten Anforderungen an die Unternehmenskommunikation – und erklärt, dass digital natives dabei nicht unbedingt die Nase vorn haben.
Teil 1 beschreibt, was Marketingkommunikation auch künftig leistet, Teil 2 Anfang nächster Woche untersucht, was der Berufsnachwuchs mitbringen muss.

Kommunikation ist essentiell für TV-Sender und alle Medien. Ohne sie würden die Zuschauer nicht den Weg zum Programm finden und der User nicht den Weg ins Internet. Ob Buzz in sozialen Netzwerken, Trailer, Anzeigen oder großflächige Plakate in den Städten – Trommeln für den Content gehört zum Tagesgeschäft für jedes Medienunternehmen. Um das Maximum an Aufmerksamkeit zu erreichen, werden große Summen Geld ausgegeben. Dafür sorgt Marketingkommunikation für Reichweite und Hingucker. Und der Konsument weiß: Der Absender zahlt dafür, die Botschaft in dieser Form verbreiten zu können. Ein fairer Deal.

Doch wozu braucht es da noch PR? Eine Frage, die wohl jeder Kommunikationsprofi schon mal gehört hat. Ja, wozu eigentlich? Anders gefragt: Wie würde eine Welt ohne PR aussehen?
Nun, es gäbe keine Posts auf Facebook und Instagram über Neuigkeiten zu Stars und Sendungen, keine „Behind-the-scenes“-Geschichten zu einer Serie. Es gebe keine News auf Twitter, dass eine Serie fortgesetzt wird. Und um im Unterhaltungsbereich zu bleiben: Die Bild-Zeitung hätte so manche Geschichte weniger, die Online-Dienste weniger Bewegtbild, so mancher Blogger kein Thema und die TV-Sender müssten mühsam spannende Gäste finden. Denn ob in Talkshows oder im Frühstücksfernsehen: Die Leute kommen, weil sie etwas zu erzählen haben – sie promoten eine neue Sendung, ein neues Buch, ein neues Album. Nicht-Promis erzählen ihre Lebensgeschichte verbunden mit dem Aufruf, für eine Organisation zu spenden. Ob die „Geissens“ oder die „Kochprofis“  sie alle wollen, dass man über sie spricht. PR sorgt dafür, Gehör zu finden.

Und was hat der Zuschauer/Nutzer/Leser davon? Er oder sie erhält Informationen und Hintergründe zu einem Thema. Oder wird einfach nur gut unterhalten. PR macht auch neugierig auf Menschen, auf Geschichten, auf Produkte. Im Idealfall macht sie Lust darauf, einzuschalten, ein Produkt zu kaufen, einen Post zu liken oder zu kommentieren.

Darüber hinaus sorgt PR für Glaubwürdigkeit. Wenn ein Medium über eine neue Sendung, über ein Kochbuch oder über Outfits von „Berlin  Tag & Nacht“ berichtet, hat das eine höhere Glaubwürdigkeit als ein Werbung. Denn die Information kommt von einem vermeintlich oder tatsächlich neutralen Absender wie einem Sender, einem Blog, einem youtube-Video, einem Artikel in der Zeitschrift.

Aber wo liegen die Grenzen? PR kann nicht für sich alleine stehen. Um ein neues Produkt zu promoten braucht es auch Marketing. Zusammen sorgen die beiden Disziplinen für ein Maximum an Aufmerksamkeit. Außerdem muss die PR-Botschaft mit den Werten des Unternehmens übereinstimmen. Weniger abstrakt gesagt: Wer für gute Unterhaltung steht, sollte ein positives, offenes und einladendes Auftreten haben – im Netz und in der Realität.

Und was tun wenn’s brennt? Große und kleine Krisen kennen wir alle. Eine Sendung floppt, ein Hauptdarsteller steigt aus der Serie aus, ein Geschäftsführer geht… Gute PR beantwortet die Fragen, ist transparent und nimmt das Gegenüber ernst. Gute PR verschleiert nicht und wendet auch keine Salami-Taktik an („Wir geben nur zu, was wir müssen“).
Gute PR holt andere ins Boot, erklärt, ordnet ein und vermittelt. Was PR nicht leisten kann: Auf Knopfdruck ein anderes Image verschaffen. Aber gute Manager wissen das.