April 2015, ich habe einen Termin bei Christian Nienaber, seines Zeichens Bereichsleiter Digital bei RTL II und bekannt für seine „I have a dream“-Ideen. „Wir erschaffen einen neuen digitalen Sender! Hast du Lust in unserem Projektteam dabei zu sein?“, fragt er und schaut mich erwartungsvoll an. Einen neuen Sender? Meint er das ernst? Er meint es ernst. Und damit nicht genug, der Channel soll schon nächstes Jahr starten! RTL II soll also ein Baby bekommen. Und es wird…eine App…für die junge Zielgruppe! „Klar, bin ich dabei!“ Schließlich geht es hier um nichts Geringeres als die Zukunft des deutschen Fernsehens. Mindestens.

Juni 2015: Das Projektteam – bestehend aus sechs stolzen Mitgliedern – schließt sich in einem streng geheimen Raum ein, um die Positionierung von „Projekt Amerika“ (so der interne Arbeitstitel für das RTL II-Baby, die Botschaft: wir entdecken neues Land) zu erarbeiten. Am Ende des Tages ist klar: Der Nachwuchs ist echt, jung, german, on fire, deins. Klingt komisch, will aber sagen, dass wir ein Programm machen für eine junge Zielgruppe, die authentische Inhalte schätzt und mit englischen Inhalten vertraut ist. Ein Programm,  das Trends setzt und bei dem jeder User selbst bestimmen kann, was läuft.

Christian Nienaber, Bereichsleiter Digital, legt eine weitere Spätschicht ein.

Christian Nienaber, Bereichsleiter Digital, legt eine weitere Spätschicht ein.

Was läuft… das ist natürlich die ganz große Frage. Die Idee ist klar, doch jetzt brauchen wir vor allem eins: Content, Content, Content – und zwar guten. Es folgen unzählige Gespräche mit Social Influencern, Produktionsfirmen, Agenturen, Managements u.v.m. Die Idee: finden alle gut! Mitmachen? „Äh, ich weiß nicht, wie meine Fans das finden“, so das verhaltene Feedback u.a. vieler YouTube-Stars. Klar, so etwas gab es vorher nicht und niemand kann sagen, wie die Fans dazu stehen. Droht das Projekt zu scheitern, weil am Ende die Stars fehlen?

Wie bei jedem Baby steht noch eine ganz andere Frage im Raum: Wie soll unser Jüngstes denn überhaupt heißen? Schließlich muss der Name zum Charakter passen, eingängig und einfach muss er sein und bitte so, dass er später nicht für Witze auf dem Schulhof sorgt. Und wie alle Eltern überlegt man: Sprechen wir vorher über den Namen oder nicht? Wir haben darüber gesprochen: mit Agenturen, Kollegen und natürlich dem Endgegner, dem stillen Boss – der alles entscheidenden Zielgruppe! Was raus kommt ist so simpel wie stimmig: YOU. Das neue, digitale Bewegtbildangebot für die junge Zielgruppe wird also RTL II YOU heißen!

Ok, der Name ist entschieden. Doch wie sieht es inzwischen an der Content-Front aus? Es ist Dezember 2015 und wir haben, na ja, erste Partner gewinnen können. Doch kann man damit einen 24/7-Channel bestücken? Noch nicht. Erste Besorgnis zeigt sich auf den Gesichtern der mittlerweile stark gewachsenen Projektgruppe: IT, Programm, Legal, Vermarktung, Controlling, Marketing, Kommunikation, Online, Social Media, Bildredaktion, Programmplanung u.v.m. geben alles, um den Geburtstermin von RTL II YOU in fünf Monaten zu halten. Doch ist das überhaupt noch realistisch? Ohne Content kein „echt, jung, german, on Fire, deins“, keine Zukunft des Fernsehens, schlicht: kein RTL II YOU. Da Aufgeben natürlich keine Option ist, werden die Bemühungen verzehnfacht und dann…

Video-Dreh für die Einladung zur Launch-Party von RTLII YOU

Video-Dreh für die Einladung zur Launch-Party von RTLII YOU

…ist er da, der Tag X, der 31. Mai 2016. Heute! Und wir haben sehr gute Nachrichten: Die Geburt ist geglückt, RTL II YOU ist da und erfreut sich bester Gesundheit! Und zwar mit jeder Menge tollem Content: Es ist 9 Lizenzformate groß und 13 Eigenproduktionen schwer. Die ganze RTL II-Familie ist müde, aber sehr stolz! Erste Bilder unseres kleinen Lieblings und einige Infos mehr gibt es hier.
Und wir? Wir feiern jetzt! Die RTL II YOU Launchparty steigt heute Abend – als krönender Abschluss eines unfassbar spannenden Jahres.