Viele Schülerinnen und Schüler klagen über ein Klima der Angst in deutschen Klassenzimmern. Sie fürchten sich vor Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Der Anti-Gewalt-Trainer Carsten Stahl reist quer durch ganz Deutschland, um Opfern zu helfen und Täter wachzurütteln.

Im Jahr 2014 gründete er seine eigene Initiative „Camp Stahl“ und startete im vergangenen Jahr die bundesweite Kampagne „Stoppt Mobbing!“. Mittlerweile hat Carsten Stahl mehr als 41.000 Kinder und Jugendliche geschult und ist als Berater für Gerechtigkeit, Toleranz und Veränderung im alltäglichen Umgang miteinander gefragt.

Carsten Stahl kämpft an Schulen gegen Mobbing.

Carsten Stahl kämpft an Schulen gegen Mobbing.

Im folgenden Gastbeitrag beleuchtet Carsten Stahl die Verantwortung der Medien beim Thema Mobbing und nimmt auch Stars und Prominente in die Pflicht:

Medien und soziale Netzwerke haben einen sehr hohen Einfluss auf unsere Kinder und Jugendlichen. Alles, was sie dort sehen und erfahren, fasziniert sie. Und sie wollen so sein, wie viele ihrer Vorbilder, die sie regelmäßig im Fernsehen, in den YouTube-Kanälen, bei Facebook und Instagram sehen.

Für die Kinder und Jugendlichen ist das die Welt, um die sich alles dreht. Sie erkennen aber nicht, dass es eine Scheinwelt ist. Die Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch fällt ihnen oftmals nicht leicht. Im Vordergrund steht für sie, dass sie ihren Vorbildern im TV oder in den sozialen Netzwerken nacheifern.

Die zeigen sich aber oftmals im Umfeld von Geld, Ruhm und Macht und sehen dazu noch perfekt aus. Die Männer fahren meistens dicke Autos, treten als Machos auf oder geben frauenfeindliche Sprüche von sich. Auch gewaltverherrlichende Spiele, Gewalt in der Musik, Sexismus oder Rassismus wirkt auf die Kinder ein, beeinflussen sie in höchstem Maße negativ.

So entsteht bei vielen Schülerinnen und Schüler eine Wertebild, das nicht richtig, aber ungeschriebenes Gesetz ist. Und das ist die Basis für Mobbing – jeden Tag, überall.

Die Würde des Menschen ist unantastbar! So steht es in unserer Verfassung geschrieben – doch was tagtäglich im Leben vieler Kinder und Jugendlichen geschieht, lässt mich daran zweifeln. Mobbing in all seinen furchtbaren Facetten und gravierenden Auswirkungen ist an der Tagesordnung!

Carsten Stahl an der Albert-Schweitzer-Schule in Beeskow.

Carsten Stahl an der Albert-Schweitzer-Schule in Beeskow.

Deshalb ist es so wichtig, dass Stars – egal, durch was sie berühmt geworden sind – ihre Vorbildfunktion wahrnehmen. Von ihnen erwarte ich Statements, klare Botschaften mit der Aussage, dass es nicht der way of life sein kann, andere zu diffamieren, runterzumachen und auszuschließen.

Ich selbst habe es durch meine Rolle bei „Privatdetektive im Einsatz“ geschafft, bekannt zu werden. Und ich habe gemerkt, dass ich diese Rolle nutzen kann, um Menschen zu helfen, ja sogar zu retten.

Und darum bitte ich auch viele Prominente, sich Projekten gegen Mobbing, Gewalt oder Rassismus anzuschließen. Denn unsere Kinder sollen nicht ausschließlich signalisiert bekommen, dass sie reich, cool und stark sein müssen und keine Schwächen haben dürfen.

Das erste, was ich in unserem Projekt getan habe, war zuzugeben, dass ich selbst ein Mobbingopfer war. Niemand hat daraufhin zu mir gesagt, dass ich ein Schwächling sei. Das zeigt, dass man wahre Stärke hat, wenn man Fehler zugibt und Schwäche zeigt. Und genau das ist eine der Kernaussagen unserer „Stoppt Mobbing!“-Kampagne.

Mein Appell an alle prominenten Vorbilder und die Medien: Setzt Zeichen! Auch die Medien müssen soziale Kompetenz und soziales Engagement zeigen, Verantwortung übernehmen. So, wie RTL II es mit der Unterstützung der Kampagne „Stoppt Mobbing!“ und der Ausstrahlung der Sendung „Stahl:hart gegen Mobbing“ macht.

Es geht um unsere Jugend, um Respekt, Toleranz und vor allen Dingen um Menschlichkeit. Das sind die Werte, die wir gemeinsam vermitteln können. Wir müssen unsere Verfassung leben – die Würde des Menschen ist unantastbar!

Carsten Stahl
Gründer Camp Stahl e.V. und der bundesweiten Kampagne „Stoppt Mobbing“

RTL II zeigt am 13. März eine neue Folge der Reportage-Reihe „Stahl:hart gegen Mobbing“ und unterstützt die Kampagne „Stoppt Mobbing!“ mit einem Spot, der ab sofort pro bono ausgestrahlt wird.